An dieser Stelle wollen wir ein offenes Forum zu Fragen der europäischen Entwicklung und Bildungspolitik einrichten und allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich zu aktuellen Themen zu äußern. Unser erstes Forum beschäftigt sich mit der Frage:
Brauchen wir eine lingua franca für Europa?
Trotz aller politischen Bekenntnisse und Bemühungen zur Mehrsprachigkeit seitens der EU ist der Kontinent heute auf dem besten Weg zur einer lingua franca. Um den heutigen Erfordernissen in der Wirtschaft zu genügen, bieten die Schulen in den meisten Staaten Englisch als erste Fremdsprache an. Die Zahlen sprechen für sich. In acht europäischen Staaten ist Englisch bereits im Primarbereich obligatorisch und auch im Sekundarbereich dominiert das Englisch. Insgesamt wird 23 Staaten Europas Englisch als Pflichtfach unterrichtet.
Das Resultat dieser verstärkten Bemühungen zeigt eine Studie der Europäischen Kommission über die jungen Europäer aus dem Jahr 2001: Während 1987 34% und 1990 42% aller Jugendlichen über Englischkenntnisse verfügten, sprechen mittlerweile mehr als die Hälfte (54%) aller jugendlichen Europäer zwischen 15 und 24 Jahren neben ihrer Muttersprache als zweite Sprache Englisch.
Englisch wird, in anderen Worten, immer mehr zur lingua franca der jungen Europäer. Damit scheint die Wirklichkeit die politische Vision eines mehrsprachigen Europas zu überrunden. Wäre es da nicht an der Zeit, den politischen Willen neu zu überdenken? Braucht es nicht die klare Zielsetzung zur einer Sprache für alle neben der jeweiligen Muttersprache, wenn die Europäer künftig mit einer Stimme sprechen wollen.
Und, wenn ja, sollte es das Englisch sein oder eher eine supranationale Hilfssprache wie etwa das Esperanto?
Dazu wünschen wir uns eine offene Diskussion. Ihre Meinung ist gefragt. Bitte schreiben Sie uns unter obermayr@eduaktiv.de und teilen Sie uns Ihre Einsichten und Positionen so präzise und klar wie möglich mit.